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28.10.2026

Buchrezension: Ratgeber Messerrecht von Torsten Schmiermund

Ein unverzichtbares Nachschlagewerk für Messerbesitzer

Wer in Deutschland ein Messer besitzt, kauft oder mit sich führt und sich rechtskonform verhalten möchte, muss sich inzwischen mit einer Vielzahl gesetzlicher Regelungen auseinandersetzen.
Für seine Bemühung, dieses hehre Ziel zu erreichen, wird der gesetzestreue Messerbesitzer belohnt mit einer unübersichtlichen Melange an unbestimmten Begriffen, wenig nachvollziehbaren, praxisfernen Regelungen, auf die wiederum Sammlungen von Ausnahmetatbeständen folgen, die im Vollzug so unterschiedlich ausgelegt werden, dass sie eigentlich gar nicht erst schriftlich festgehalten hätten werden müssen.

Welche Messer dürfen wo geführt werden? Wann soll welche Ausnahme greifen – und wie werden sie von wem ausgelegt? Welche Regelungen gelten in Waffenverbotszonen alter und neuer Art? Oder im öffentlichen Personenverkehr? 
Mit seinem „Ratgeber Messerrecht“ hat Sachbuchautor Torsten Schmiermund gewagt, für den „normalen“ Endverbraucher endlich Licht ins Dunkel dieses Paragraphen-Dschungels zu bringen.

Das Ergebnis ist ein praxisorientiertes Nachschlagewerk, das Antworten auf solche und ähnliche Fragen gibt und den Zugang zu einer zunehmend komplexer werdenden Rechtsmaterie erleichtert. Statt einen juristischen Fachkommentar vorzulegen, richtet sich der Ratgeber vor allem an Leser, die die Systematik des Waffenrechts in Hinblick auf Messer, Hieb- und Stoßwaffen, freie Waffen und verbotene Gegenstände verstehen und im Alltag sicher handeln möchten. Das Buch verbindet hierzu verständliche Erläuterungen mit konkreten Anwendungsbeispielen und Verweisen auf einschlägige Rechtsgrundlagen und Literatur.

Auch der Aufbau stützt diesen Anspruch. Auf eine ausführliche Einleitung, die nicht an Kritik hinsichtlich jüngster Entwicklungen im „Messerrecht“ spart, folgen zentrale Begriffsbestimmungen, ein alphabetisch geordneter Bildteil samt rechtlicher Einordnung konkreter Gegenstände und ein kommentiertes Lexikon. Diese Struktur macht den Ratgeber insbesondere als Nachschlagewerk interessant. Wer sich über eine bestimmte Messerart oder einen waffenrechtlichen Begriff informieren möchte, findet schnell alle relevanten Informationen zum Thema und kann sich anhand der angegebenen Quellen bei Bedarf auch vertiefend mit der jeweiligen Rechtsfrage befassen.

Schmiermund beschränkt sich dabei nicht auf naheliegende Fragen nach Besitz, Erwerb und Führen von Messern – wenngleich auch diese Themen umfassend behandelt werden. Er berücksichtigt ebenso Situationen, in denen die Vorschriften für Betroffene unerwartet relevant werden, etwa beim Impulskauf, auf Reisen mit öffentlichen Verkehrsmittel oder beim Modifizieren von Messern.

Dass Praxisnähe nicht zwangsläufig mit juristischer Vereinfachung einhergehen muss, zeigen die detaillierten Ausführungen zu einzelnen Messerarten.
Haben Sie beispielsweise schon einmal darüber nachgedacht, den Daumenpin an Ihrem Lieblingsmesser – und damit die Eigenschaft eines Einhandmessers – zu entfernen? Im Ratgeber erfahren Sie auch, wie das in einer Kontrollsituation gegenüber etwaigen Beamten begründbar ist.

Bei Multitools wiederum werden von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Rechtsauffassungen dargestellt. Gerade diese Differenzierung ist begrüßenswert. Denn wo die Rechtslage umstritten oder stark auslegungsbedürftig ist, wäre eine scheinbar eindeutige Antwort wenig hilfreich.

Pragmatische Worte findet der Ratgeber auch zu einer der vielen Ausnahmeregelungen im Messerrecht und illustriert damit ein viel tiefgreifenderes Problem: Wer auf Nummer sicher gehen will, müsse so tun, als existiere die gesetzliche Ausnahme nicht.
Solche und ähnliche Regelungen sollten aus Sicht des Gesetzgebers wahrscheinlich die nötige Alltagstauglichkeit gewährleisten. Doch wie so oft gilt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Der Ratgeber macht dieses Spannungsverhältnis zwischen gesetzlicher Regelung und Lebensrealität an zahlreichen Beispielen nachvollziehbar.

Seine Grenzen liegen dort, wo auch ein gut aufbereitetes Nachschlagewerk eine vertiefte juristische Prüfung nicht ersetzen kann. Komplexe Einzelfälle, divergierende Rechtsauffassungen und unbestimmte Begriffe ohne Legaldefinition lassen sich nicht zuverlässig auf allgemeingültige Handlungsempfehlungen reduzieren.
Das ist allerdings auch nicht der Anspruch des Werkes. Schmiermund weist dem interessierten Leser in solchen Fällen den Weg zu relevanten Fundstellen in weiterführenden Quellen wie Gerichtsurteilen, Gesetzestexten oder Feststellungsbescheiden des Bundeskriminalamts. Das juristische Lektorat übernahm der VDB-Kooperationsanwalt Michael Winkler.

Fazit: Torsten Schmiermunds „Ratgeber Messerrecht“ ist eine unschätzbare Orientierungshilfe für alle, die sich beruflich oder privat mit Messern, freien Waffen und den einschlägigen waffenrechtlichen Vorschriften beschäftigen. Der übersichtliche Aufbau, die zahlreichen Praxisbeispiele und das Quellenverzeichnis machen das Buch für alle Messerbesitzer, Sammler und Händler zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk.

Seinen besonderen Wert entfaltet der Ratgeber dabei nicht alleine durch die Vermittlung rechtlicher Informationen. Zugleich steht er sinnbildlich dafür, wie schwierig es geworden ist, aus dem geltenden Messerrecht eindeutige und alltagstaugliche Verhaltensregeln abzuleiten. Dass es für den Umgang mit einem so alltäglichen Gegenstand inzwischen eines derart umfangreichen Wegweisers bedarf, ist letztlich auch ein bemerkenswerter Befund über den Zustand des deutschen Waffenrechts.

Bibliographische Angaben:
Titel: Ratgeber Messerrecht: Messer, erlaubnisfreie Waffen, verbotene Gegenstände – und das Waffengesetz
Autor: Torsten Schmiermund
Verlag: Books on Demand GmbH
Juristisches Lektorat: Rechtsanwalt Michael Winkler
ISBN: 978-3-6967-1210-5

Abschließend noch ein Hinweis: Torsten Schmiermund bietet nach vorheriger Absprache Vorträge vor Ort an, beispielsweise bei Vereinen oder anderen interessierten Gruppen. Dabei bringt er umfangreiches Anschauungsmaterial mit, um die rechtlichen Fragestellungen anhand konkreter Beispiele zu veranschaulichen. Für Anfragen und weitere Informationen ist der Autor per E-Mail erreichbar.