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25.03.2026

Mit klarem Blick ins Schwarze treffen

Eine Schießbrille kann die Ergebnisse beim Sportschießen nachweislich verbessern

Unser Gastautor, Augenoptikermeister Thorsten Reis, ist seit vielen Jahren Experte für die Anpassung von Schießbrillen im Schießsport. Am Norddeutschen Optik Colleg (NDOC) gibt er sein Wissen an Augenoptiker-Kollegen weiter. In seinen Seminaren geht es hauptsächlich um die Anpassung von Schießbrillen für Lang- und Kurzwaffen, aber auch für den Bogensport. Als Hörakustikmeister beschäftigt sich Thorsten Reis auch mit dem Thema Gehörschutz im Schießsport oder auf der Jagd.
Der VDB bedankt sich für die Kontaktvermittlung zu Herrn Reis bei unserem langjährigen Außerordentlichen Mitglied Carsten Bothe. – WIR VERNETZEN DIE BRANCHE!

 

Mit klarem Blick ins Schwarze treffen

Ein präziser und stabiler Sehkomfort ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für konstante Leistungen im Sportschießen. Viele Schützen kennen typische Probleme, die ihren Schießerfolg beeinträchtigen können: nachlassende Konzentration, unbewusster Wechsel des Zielauges, störende Brillenränder, die Unschärfebereiche einer Gleitsichtbrille, eine unscharfe Visierung oder ein unscharfes Ziel. All diese Faktoren verschlechtern die Trefferleistung oder hängen mit einer suboptimalen Brillenkorrektur zusammen.

Warum benötigen Schützen eine spezielle Brille?
Rund 80 % der Bevölkerung haben eine messbare Fehlsichtigkeit. Selbst geringe Sehfehler, die im Alltag kaum wahrgenommen werden, können beim Schießen zu deutlichen Leistungseinbußen führen. Da das Sportschießen außergewöhnlich hohe Anforderungen an das Sehvermögen stellt, ist eine präzise optische Unterstützung entscheidend für Konzentration, Ausdauer und eine gleichbleibende Trefferquote.

Bereits Abweichungen von nur 0,25 bis 0,5 Dioptrien – im Alltag oft unbemerkt – können beim Zielen erhebliche Nachteile verursachen. Typische Probleme entstehen, wenn das zielende Auge nicht durch den Mittelpunkt des Brillenglases schaut. Dadurch kommt es zu seitlichen Abweichungen in der Visierlinie. Zusätzlich entstehen durch den schrägen Blickwinkel Abbildungsfehler (Astigmatismus schiefer Bündel), die das Zielbild verzerren. Besonders Altersweitsichtige haben Schwierigkeiten, Visierung und Ziel gleichzeitig scharf zu sehen.

Was leistet eine Schießbrille?
Eine Schießbrille ist speziell dafür entwickelt worden, die besonderen optischen Herausforderungen beim Sportschießen auszugleichen und die Sehbedingungen optimal an die Anforderungen des Schützen anzupassen. Sie verhindert typische Abbildungsfehler und ermöglicht eine präzise, wiederholbare und für das Auge entspannte Zielaufnahme.

Das Brillenglas einer Schießbrille ist klein und frei positionierbar. Dadurch kann es exakt in die Visierlinie eingestellt werden, sodass das Auge genau durch den Mittelpunkt des Glases blickt. Nur in diesem zentralen Bereich bildet ein Brillenglas ohne Verzerrungen oder Unschärfen ab – ein entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichen Brillen.

Darüber hinaus lässt sich das Glas in allen Ebenen so ausrichten, dass es absolut senkrecht zur Visierlinie steht. Auf diese Weise werden Abbildungsfehler deutlich reduziert, die sonst durch einen schrägen Blickwinkel entstehen würden.

Die Glasstärken werden individuell und sehr fein ermittelt. So wird ein optimaler Kompromiss zwischen ruhigem Zielen, entspannter Akkommodation (also die automatische Fokussierungsfunktion
des Auges) und maximaler Schärfe erzielt. Das Ergebnis ist ein deutlich stabileres Zielbild und eine spürbar verbesserte Trefferleistung.

Auch für Flintendisziplinen wie Trap, Doppeltrap und Skeet – ebenso wie für Jäger – gibt es spezielle Schießbrillen und klare Anforderungen an deren individuelle Anpassung.

Warum reicht eine normale Brille nicht aus?
Für das Sportschießen sind Kopf- und Körperhaltung anders als im Alltag. Dadurch blickt man bei einer normalen Brille fast immer schräg durch das Glas – genau in Bereiche, die zunehmend Abbildungsfehler verursachen. Besonders problematisch sind Gleitsichtbrillen, da die schräge Haltung häufig dazu führt, dass der Schütze durch die unscharfen Randzonen schaut.

Je nach Disziplin (Gewehr oder Pistole) und verwendeter Zieltechnik (Kornoptik, Diopter usw.) unterscheiden sich die notwendigen Glasstärken oft um 0,25 bis 0,75 Dioptrien gegenüber der Alltagsbrille. Eine spezielle Schießbrille ermöglicht es, diese Anpassungen exakt umzusetzen und dabei gleichzeitig die Akkommodation zu kontrollieren.

Viele Schützen berichten, dass sie nach der Umstellung auf eine Schießbrille 1–3 Ringe pro Serie dazugewinnen – allein durch die korrekte Zentrierung des Glases.

Wer passt Schießbrillen an?
Um alle Möglichkeiten und die Leistungsfähigkeit einer Schießbrille voll ausnutzen zu können, ist eine besondere Anpassung notwendig. Nicht jedes Augenoptikfachgeschäft hat sich auf dieses Themengebiet spezialisiert. In den entsprechenden Foren und im gegenseitigen Austausch findet man Augenoptikfachgeschäfte, die sich ausgiebig mit dem Thema Schießbrille befassen und dieses auch auf der Homepage bewerben.

Fazit: Eine Schießbrille ist kein Zubehör, sondern ein präzises Werkzeug: Sie sorgt dafür, dass das Auge exakt, stabil und verzerrungsfrei sieht – und damit der Schütze konstanter und nachweislich besser trifft.

Eine Schießbrille ist technisch so ausgereift, dass sich ganz leicht Seitenblenden oder Abdeckscheiben für das nichtzielende Auge anbringen lassen. Außerdem können verschiedene Glashalter je nach Disziplin und Glasstärke gewechselt und bei Bedarf mit Farbfiltern versehen werden.

Die Glashalter lassen sich dann in vier Ebenen (Seite, Höhe, Drehung und Neigung) optimal auf den optischen Mittelpunkt einstellen.



Foto: Thorsten Reis, Augenoptikermeister

Kontakt: https://optik-hoergeschaeft.de/
Telefon: 05066 9030831