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28.07.2026

Bekämpfung illegaler Waffen: Braucht es neue Ansätze?

Liberalisierung des Waffengesetzes im öffentlichen Diskurs

„Man kann ein Verbot erlassen, aber dadurch verschwindet die Nachfrage nicht.“
Kevin Murphy, Ökonom

Der Schwerpunkt der öffentlichen Debatte über Delikte mit Schusswaffen hat sich in den vergangenen Monaten erkennbar verlagert. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass die größten Gefahren vor allem von illegalen Waffen ausgehen.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte im vergangenen Jahr, Tötungsdelikte würden nahezu immer mit illegalen Waffen begangen. Auch die Europäische Kommission misst der Bekämpfung des illegalen Waffenhandels inzwischen größere Bedeutung bei und arbeitet an einer entsprechenden Richtlinie.

Das deutsche Waffenrecht folgt dem Verbotsprinzip. Dahinter steht unter anderem die fehlgeleitete Annahme, dass sich auch die Zahl illegaler Waffen begrenzen lasse, wenn „möglichst wenig Waffen ins Volk“ gelangen. Illegale Waffenbestände, etwa infolge von Einbrüchen oder Diebstählen, sollten dadurch möglichst klein gehalten werden.

Spätestens im Licht aktueller Entwicklungen muss jedoch hinterfragt werden, ob dieser Ansatz noch trägt:
Kriegswaffen aus Krisen- und Konfliktregionen gelangen zunehmend in die Hände organisierter Krimineller. Zugleich wird die illegale Herstellung leistungsfähiger Hybridwaffen (Abb.) mithilfe von 3D-Druckern immer einfacher. Amokläufer, Terroristen und Kriminelle beschaffen sich – wenn sie nicht zum Küchenmesser oder Kraftfahrzeug als Tatmittel greifen – Waffen auf dem Schwarzmarkt, durch eigene Herstellung oder bestellen sie im Darknet.

Diese Entwicklung findet inzwischen auch in den Medien verstärkt Beachtung.

In einer aktuellen Ausgabe des Digitalisierungs-Podcasts „Breitband“ des Deutschlandradio werden sogenannte „Ghost Guns“ und 3D-gedruckte Waffen thematisiert. Im Verlauf des Gesprächs erklärt der Journalist Hagen Terschüren, er sei grundsätzlich kein Freund von Waffen: 
„Eigentlich möchte ich nicht, dass irgendwer eine Waffe zuhause hat, aber meine Recherche zeigt eben auch: Wer sich eine Waffe drucken will, der kann das machen.“

Aus seinen Nachforschungen zieht er den folgerichtigen Schluss, dass weitere Gesetzesverschärfungen in diesem Bereich keine Wirkung entfalten würden. Stattdessen verweist er auf Parallelen zur Drogenpolitik und stellt die Frage, ob ein kontrollierter, aber teilweise liberalisierter Umgang mit Waffen, den Schwarzmarkt sogar wirksamer zurückdrängen könnte:

„Was hier wirklich hilft, ist eine Liberalisierung, ein kontrollierter Umgang damit. Das hilft dann, Menschen über offizielle Wege zu schicken. Die können dann kontrolliert werden. Dann können die informiert werden.“

Auch ein kürzlich in den Badischen Neuesten Nachrichten erschienener Artikel greift die Frage auf, ob besonders strenge gesetzliche Vorgaben den illegalen Markt unbeabsichtigt fördern könnten. Die Gaggenauer Waffenbehörde erklärte dazu auf Nachfrage, es sei nicht auszuschließen, dass hohe rechtliche Hürden einzelne Personen dazu veranlassten, Waffen ohne Erlaubnis auf illegalem Weg zu erwerben.

Dass die Bekämpfung schwerer Waffenkriminalität stärker in den Mittelpunkt rückt, ist grundsätzlich zu begrüßen. Wenig zielführend ist allerdings die Forderung nach immer neuen Verboten oder schärferen Strafen. Vielmehr sollten wir uns – egal ob Waffengegner oder -befürworter – die Frage stellen: Ist eine Liberalisierung möglicherweise das wirksamste Mittel, um illegale Beschaffungswege unattraktiver zu machen und um staatlichen Zugriff auf und Kontrolle von Schusswaffen zu verbessern? Wir sind mit unserer Ansicht nicht alleine, wenn wir sagen: Ja.